xxx Bücher in 365 Tagen – November

Neben Novemberdepression hatte der vergangene Monat doch so einiges zu bieten. Meine kleinen Lieblingsphilosophen zum Beispiel.

4.11.2016

Bild: Carlsen
Bild: Carlsen

Charles M. Schulz: Die Peanuts. Werkausgabe. Band 21, 1991 bis 1992 (Carlsen, Hamburg 2016, 344 Seiten, € 32,90)

Linus zu Snoopy: „Ich kann mich nicht erinnern, dir einen Platz auf meiner Decke angeboten zu haben. – Aber ich schätze, Tiere haben auch Rechte, was?“ Snoopy: „Und zwar vom ersten Tag an…“

Patty und Marcie

Marcie: „Warum laufen Sie ohne Schirm durch den Regen, Sir?“
Patty: „Ich leide gern, Marcie… Leiden macht einen erwachsener.“
Marcie: „Und nass…“
Patty: „Was?“
Marcie: „Und nass.“
Patty: „Ich höre dich nicht, Marcie… Ich bin zu erwachsen…“

5.11.2016

Bild: Goldmann
Bild: Goldmann

Richard David Precht: Tiere denken. Vom Recht der Tiere und den Grenzen des Menschen (Goldmann, München 2016, 512 Seiten, € 22,99)

Lese ich nicht privat, wird Teil eines konki-Stücks. Hätte ich privat auch nicht gelesen. Jedes Jahr ein Spiegel-Bestseller, so das Motto des Talkshow-Philosophen Precht. Dieses Jahr also Tiere und unser Verhältnis zu ihnen. Wenig neues, dafür jede Menge Bezüge auf Kaplan und Singer (würg) und kein Verständnis für die Produktionsverhältnisse, die dem Komplex Tierausbeutung (deutscher Fleischexport, Zoo und Versuchslabor als Wirtschaftsunternehmen usw.) zugrunde liegen. Kapitalakkumulation – schon mal gehört, Herr Precht? Gewohnt schwurbelig im Ausdruck und unentschieden in der Konsequenz lässt der Autor seine Leser*innen mit dem Wissen zurück, dass das alles zwar recht schlimm ist, aber hier und da ein paar Reformen schon helfen werden.

9.11.2016

Bild: Anaconda
Bild: Anaconda

Stendhal: Rot und Schwarz (Anaconda, Köln 2013, 608 Seiten, € 7,95)

Empfehlung sowohl von Herrndorf als auch vom Kollegen. Muss mich noch reinfinden.

Ein herrliches Porträt der französischen nachrevolutionären „besseren“ Gesellschaft. Widerlich bigott, intrigant und strotzend vor unsympathischen Gestalten, der wieder erstarkte Adel und der Klerus, der sich seine Pfründe zu sichern trachtet, geben sich die Klinke in die Hand. Und das alles wird in einer Sprache präsentiert, die zum Innehalten gemahnt. Grundkenntnisse der revolutionären Geschehnisse 1789 ff. sind fürs Verständnis von Vorteil.

26.11.2016

Bild: dtv
Bild: dtv

Mark Twain: Tom Sawyer & Huckleberry Finn (dtv, München 2015, 3. Auflage, 720 Seiten, € 14,90)

Was für ein Segen! Die Neuübersetzung aus der Feder Andreas Nohls liest sich fantastisch. Kein bemüht-verkrampfter Versuch, Twains bewusst verschriftlichte Soziolekte ins Deutsche zu übertragen, sondern eine behutsame Annäherung an Stil und Stimmung des Originals. Nohl betont außerdem, dass Twain diese Geschichten eben auch für Frauen und Männer, nicht nur für Mädchen und Jungen geschrieben hat. Denn hinter den Abenteuergeschichten steckt so einiges: Rebellion gegen irrsinnige Religiosität, den weitverbreiteten Aberglauben und die so selten vernünftige Welt der Erwachsenen ebenso wie eine Kritik am grassierenden Rassismus. Twains kleine Helden leben die Anarchie im besten Sinne. Ebenfalls großartig: Twains bisweilen versteckter, teilweise bissiger, häufig von Ironie durchtränkter Humor! Unerfreulich, dass das Identifikationsangebot für Mädchen und People of Color mager ist. Viele der weiblichen Figuren sind passiv und reagieren bloß auf Impulse der männlichen (und weißen) Protagonisten statt selbst die Initiative zu ergreifen. Die Sklaven, dies wird insbesondere an der Figur Jim deutlich, werden ebenfalls nicht als vollwertige Akteure einbezogen und sind häufig als kindlich-naiv dargestellt. Beides muss als Porträt der Entstehungszeit gelesen werden, in der sowohl Frauen als auch Schwarzen weniger Handlungsfreiraum zugestanden wurde als weißen Männern. Insbesondere für Huckleberry Finn gilt: Hier haben wir es mit einer Erzählung aus der Ich-Perspektive eines vielleicht zwölf- oder 13-jährigen Jungen zu tun, der die Moralvorstellungen seiner Zeit verinnerlicht hat, diese aber auch skeptisch hinterfragt und immer wieder gegen sie ankämpfen muss. Insgesamt: Ein wunderbares Stück amerikanischer Literatur – jetzt auch in einer lesbaren Übersetzung.

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