Tote gegen Tote

Gedenken an die Corona-Toten in Hamburg
Gedenken an die Corona-Toten in Hamburg-Altona

Corona-Tote sichtbar machen: In Berlin, Recklinghausen, Hamburg, Bad Kreuznach, Zürich, Linz, auf La Palma und in vielen weiteren Städten haben sich seit Anfang Dezember zahlreiche Menschen einer von der Künstlerin Veronika Radulovic und dem Schriftsteller Christian Y. Schmidt gegründeten Initiative angeschlossen. Jeweils sonntags zum Sonnenuntergang stellen sie Kerzen zum Gedenken an die vielen Toten auf, die am Coronavirus gestorben sind.

Die Kerzen sollen ein Zeichen setzen gegen die Anonymität und gegen das Schweigen. Denn die Toten kommen in den Medien bisher überwiegend abstrakt als Zahlen in einer Statistik vor. In knappen Worten werden »die Zahlen« mit weniger Emotion verlesen als die Lottoergebnisse. Und je mehr es werden, desto stiller wird es in den Medien – die Gesamtzahl der Gestorbenen muss man inzwischen immer öfter selbst recherchieren, sofern nicht gerade eine berichtenswerte traurige neue Anzahl erreicht ist. Weiterlesen „Tote gegen Tote“

Kaltland

Aussagen nach der Art „An der Grippe und anderen Krankheiten sterben auch viele Menschen, das ist halt so“ scheinen mittlerweile standardisiert im Pandemiebewusstsein der Deutschen zu sein. Dieser Fatalismus, diese offenkundige Barbarei nicht nur zu akzeptieren, sondern zu verteidigen, erklärt sich zum Teil aus der Verrohung, die die kapitalistische Produktionsweise mit ihrem Verwertungszwang und ihrer Entfremdung erzeugt und die das Denken und Fühlen zerstört. Verletzlichkeit wendet sich in Aggression, reale wie irrationale Ängste gleichermaßen kanalisieren sich in rechten Parolen. Das Wissen um die eigene Verelendung kulminiert einzig in dem Wunsch, den anderen möge es noch viel elender ergehen. Weiterlesen „Kaltland“

Fast wäre ich nicht stehengeblieben

„Sprechen Sie deutsch?“ An der Ecke Susannenstraße / Schanzenstraße sprach mich heute Abend ein Mann an, der leicht zusammengesackt auf einer Bank saß. Ich hielt das für eine sehr schlechte Anmache und wollte schon weitereilen – nach einem langen Spaziergang durch Planten und Blomen nur noch nach Hause und endlich etwas Richtiges essen. Irgendetwas bewog mich jedoch, stehenzubleiben und den Herrn zu fragen, wie ich ihm helfen könne. „Können Sie 112 für mich wählen?“ Weiterlesen „Fast wäre ich nicht stehengeblieben“

Was tun im Teil-Lockdown oder in der Quarantäne?

Fenster eines maroden HausesAls Ergänzung zu meinem Sammelsurium aus dem Frühjahr (Was tun allein zu Haus?) kommen hier noch einige weitere Ideen, was man tun kann, um nicht durchzudrehen, wenn die Möglichkeiten an Draußen- und Unterwegsaktivitäten eingeschränkt sind. Weiterlesen „Was tun im Teil-Lockdown oder in der Quarantäne?“

Was tun allein zu Haus?

Dies sind ein paar Dinge, die mir einfallen, die man gut (allein) zu Haus machen kann. Ich gehe davon aus, dass auch hierzulande bald mit größeren Einschränkungen der Bewegungsfreiheit zu rechnen ist, um die Ausbreitung des Corona-Virus zu verlangsamen. Das ist nicht nur, aber speziell für Menschen mit Neigung zu Depressionen fatal, denn die zuvor erfolgreich entwickelten Strategien, um mit der Krankheit besser umgehen zu können (z. B. Sport machen, regelmäßig rausgehen, Menschen treffen!), werden von den notwendigen Schutzmaßnahmen durchkreuzt. Weiterlesen „Was tun allein zu Haus?“

Es betrifft alle

„Die jetzt sterben, hätten doch eh Weihnachten nicht mehr erlebt“, „An der Grippe verrecken jedes Jahr Zehntausende, und keinen juckt’s“ oder schlicht „Goodbye, Boomer“ lese ich in meiner Timeline bei Facebook. Auch ich habe anfangs mit Zynismus auf die Meldungen zum Coronavirus reagiert, weil das ein Mittel sein kann, das Gefühl der Hilflosigkeit abzumildern. Angesichts der täglich steigenden Infektions- und Todeszahlen sind Witze und Verharmlosungen allerdings schlicht unangebracht. Alle sind betroffen, und alle sind bedroht. Weiterlesen „Es betrifft alle“

Spaßgesellschaft

Es war einmal ein Gröfaz (Größter Führer aller Zeiten), der hatte die Deutschen so gern, daß er ihnen etwas richtig Gutes tun wollte. Also ersann er den millionenreichsmarkschweren Plan für das »Seebad der 20.000« in Prora, an der Ostküste Rügens. Aber ach, die Fertigstellung des Grövaz (Größtes Volksgemeinschaftserziehungscamp aller Zeiten) mußte wegen der damals doch arg kriegerischen Zeiten auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Weiterlesen „Spaßgesellschaft“

Lass Tiere sprechen

Des Deutschen Liebstes ist neben Fußball und Ausländerfeindlichkeit bekanntlich sein Haustier. Daher nimmt es kaum wunder, dass die Esoterikbranche am Wohl und Wehe von Waldi & Co. mitverdienen will: 500.000 Treffer liefert die Google-Suche zur telepathischen Kommunikation mit Tieren. Weiterlesen „Lass Tiere sprechen“