Gefahr aus dem Stall

Intensive Tierhaltung begünstigt die Entstehung neuer Krankheiten. Bei der Politik zur Bekämpfung des Coronavirus spielt das keine Rolle – obwohl Wissenschaftlerinnen bereits seit Jahrzehnten vor den Gefahren warnen.

Das neuartige Coronavirus kam für viele überraschend. Doch bei Sars-CoV-2 handelt es sich nur um eine von vielen sogenannten Zoonosen, deren Zahl seit Jahrzehnten immer weiter steigt. Drei Viertel aller neu auftretenden für den Menschen gefährlichen Infekte sind solche Zoonosen, also Krankheiten, die von Tieren auf Menschen und andersherum übertragen werden können; das stellte bereits 2001 eine Metastudie der Universität Edinburgh fest. Zu den bekanntesten zählen HIV, EHEC (E. coli), BSE und Toxoplasmose. Sars-Cov-2 ist nur das jüngste Glied in der Reihe – aber sicher nicht das letzte.

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Tote gegen Tote

Gedenken an die Corona-Toten in Hamburg
Gedenken an die Corona-Toten in Hamburg-Altona

Corona-Tote sichtbar machen: In Berlin, Recklinghausen, Hamburg, Bad Kreuznach, Zürich, Linz, auf La Palma und in vielen weiteren Städten haben sich seit Anfang Dezember zahlreiche Menschen einer von der Künstlerin Veronika Radulovic und dem Schriftsteller Christian Y. Schmidt gegründeten Initiative angeschlossen. Jeweils sonntags zum Sonnenuntergang stellen sie Kerzen zum Gedenken an die vielen Toten auf, die am Coronavirus gestorben sind.

Die Kerzen sollen ein Zeichen setzen gegen die Anonymität und gegen das Schweigen. Denn die Toten kommen in den Medien bisher überwiegend abstrakt als Zahlen in einer Statistik vor. In knappen Worten werden »die Zahlen« mit weniger Emotion verlesen als die Lottoergebnisse. Und je mehr es werden, desto stiller wird es in den Medien – die Gesamtzahl der Gestorbenen muss man inzwischen immer öfter selbst recherchieren, sofern nicht gerade eine berichtenswerte traurige neue Anzahl erreicht ist. Weiterlesen „Tote gegen Tote“

Kaltland

Aussagen nach der Art „An der Grippe und anderen Krankheiten sterben auch viele Menschen, das ist halt so“ scheinen mittlerweile standardisiert im Pandemiebewusstsein der Deutschen zu sein. Dieser Fatalismus, diese offenkundige Barbarei nicht nur zu akzeptieren, sondern zu verteidigen, erklärt sich zum Teil aus der Verrohung, die die kapitalistische Produktionsweise mit ihrem Verwertungszwang und ihrer Entfremdung erzeugt und die das Denken und Fühlen zerstört. Verletzlichkeit wendet sich in Aggression, reale wie irrationale Ängste gleichermaßen kanalisieren sich in rechten Parolen. Das Wissen um die eigene Verelendung kulminiert einzig in dem Wunsch, den anderen möge es noch viel elender ergehen. Weiterlesen „Kaltland“

Was tun im Teil-Lockdown oder in der Quarantäne?

Fenster eines maroden HausesAls Ergänzung zu meinem Sammelsurium aus dem Frühjahr (Was tun allein zu Haus?) kommen hier noch einige weitere Ideen, was man tun kann, um nicht durchzudrehen, wenn die Möglichkeiten an Draußen- und Unterwegsaktivitäten eingeschränkt sind. Weiterlesen „Was tun im Teil-Lockdown oder in der Quarantäne?“

Corona, Attila Hildmann und das Judentum: eine Umfrage von Veganer*innen für Veganer*innen

Screenshot: vegan.eu

In der „taz“ vom vergangenen Wochenende zitiert Arno Frank eine nicht repräsentative, anonyme Onlineumfrage des Internetportals vegan.eu,[1] die mit tendenziösen Fragestellungen zu dem Ergebnis kommt, Veganer*innen lehnten rechtes Gedankengut radikal ab (95 Prozent) und seien besonders unempfindlich gegenüber Verschwörungsnarrativen (87 Prozent). Auch die Mopo verzichtete in ihrer Berichterstattung auf eine Einordung.[2] Und die Galionsfigur des wissenschaftlichen Veganismus, Niko Rittenau, wertete die Umfrage sofort als eindeutigen Beweis dafür, dass Veganer*innen sich kaum bis gar nicht von Verschwörungserzählungen beeinflussen ließen und praktisch immun dagegen seien.[3] Weiterlesen „Corona, Attila Hildmann und das Judentum: eine Umfrage von Veganer*innen für Veganer*innen“

Krisenlektüre 1: »Der kleine Herr Tod« von Christian Y. Schmidt und Ulrike Haseloff

Der kleine Herr Tod
Bild: Rowohlt Berlin

Christian Y. Schmidt & Ulrike Haseloff: Der kleine Herr Tod (Rowohlt Berlin 2020, 144 Seiten, € 16)

Eigentlich wollte er Ende März in Berlin sein Buch vorstellen. Doch das neuartige pandemische Coronavirus, das die Lungenkrankheit Covid-19 auslöst, machte dem Autor Christian Y. Schmidt einen Strich durch die Rechnung. Nicht, dass er es nicht bereits geahnt hatte. Schmidt berichtete via Facebook früh aus seiner Wahlheimat Peking über den Umgang mit der Seuche Weiterlesen „Krisenlektüre 1: »Der kleine Herr Tod« von Christian Y. Schmidt und Ulrike Haseloff“

Was tun allein zu Haus?

Dies sind ein paar Dinge, die mir einfallen, die man gut (allein) zu Haus machen kann. Ich gehe davon aus, dass auch hierzulande bald mit größeren Einschränkungen der Bewegungsfreiheit zu rechnen ist, um die Ausbreitung des Corona-Virus zu verlangsamen. Das ist nicht nur, aber speziell für Menschen mit Neigung zu Depressionen fatal, denn die zuvor erfolgreich entwickelten Strategien, um mit der Krankheit besser umgehen zu können (z. B. Sport machen, regelmäßig rausgehen, Menschen treffen!), werden von den notwendigen Schutzmaßnahmen durchkreuzt. Weiterlesen „Was tun allein zu Haus?“

Es betrifft alle

„Die jetzt sterben, hätten doch eh Weihnachten nicht mehr erlebt“, „An der Grippe verrecken jedes Jahr Zehntausende, und keinen juckt’s“ oder schlicht „Goodbye, Boomer“ lese ich in meiner Timeline bei Facebook. Auch ich habe anfangs mit Zynismus auf die Meldungen zum Coronavirus reagiert, weil das ein Mittel sein kann, das Gefühl der Hilflosigkeit abzumildern. Angesichts der täglich steigenden Infektions- und Todeszahlen sind Witze und Verharmlosungen allerdings schlicht unangebracht. Alle sind betroffen, und alle sind bedroht. Weiterlesen „Es betrifft alle“