Die Reise nach Veganien

Bild: Weissbooks
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Katharina Kuhlmann: Die Reise nach Veganien. Teil 1. Mona und Frida – eine saustarke Freundschaft (Weissbooks, Frankfurt am Main 2014, 96 Seiten, € 16,90, ab 5 Jahren)

Das Peta-Playmate Katharina Kuhlmann schreibt ein Kinderbuch über Veganismus – was mag dabei wohl herauskommen? Ganz so schlimm wie man es sich vielleicht vorstellt, ist es gar nicht geworden. Fangen wir mit der Geschichte an: 

In Die Reise nach Veganien begegnen wir Frida, die bei ihren Großeltern aufwächst und neben einem „normalen“ Haustier, der Hündin Molly, ein sprachbegabtes Schwein mit Namen Mona hat. Was Mona sagt, kann aber nur Frida verstehen. Am ersten Schultag nach den Ferien steht eine neue Klassenlehrerin in der Tür der Klasse 3a: Frau Schneckmeier. Schnell stellt sich heraus, dass sie Vegetarierin ist, und sogar der eigentlich eher grummelige Herr Direktor outet sich als langjähriger Veganer. Der Metzgerjunge Eric muss sich natürlich als Störenfried gebärden, was zu der amüsanten Situation in der Klasse führt, dass die Schüler*innen von Frau Schneckmeier aufgefordert werden, zwei Listen anzufertigen – eine mit Tieren, die man essen darf, und eine mit welchen, die man nicht essen darf. Die zweite Liste wird schnell immer länger und länger, während die Kinder bei der ersten sehr zögerlich sind. Hier wird der aufklärerische Anspruch des Buches deutlich.

Das Dorffest steht vor der Tür, und was liegt näher, als dass es in diesem Jahr komplett vegan ausgerichtet werden soll – um, das wird mehrfach betont, den Bürgermeister zu überzeugen. (Warum auch immer es relevant sein soll, dass ein Bürgermeister zum Veganismus bekehrt wird – als Vertreter der Staatsmacht? Um neue, tierfreundliche Gesetze auf den Weg zu bringen? Man weiß es nicht.) Es geht dann vor allem noch darum, passende Rezepte zu finden und in der Schulküche zu testen. Und Schwein Mona mischt sich zwischendurch auch immer wieder mit dem einen oder andren klugen Satz ein. Das Dorffest findet schließlich wie geplant statt, alle sind fröhlich und genießen das vegane Büffet. Am Ende liegen Frida und Mona im Kinderzimmer im Bett und schmieden Pläne für ihre Reise nach Veganien, wo sie wohl hoffen auf Fridas Mutter zu treffen. Die hat ihrer Tochter nämlich eine Landkarte hinterlassen, auf der dieser geheimnisvolle Ort eingezeichnet ist, an dem Tiere und Menschen friedlich miteinander leben sollen.

Leider merkt man dem Buch (wie übrigens auch einigen anderen Versuchen aus der Szene) an, dass die Autorin vorher noch nie ein Kinderbuch geschrieben hat (gute Bücher für Kinder zu schreiben ist echte Arbeit!). Der Aufbau und Verlauf der Geschichte zeigen Mängel; am Ende bleibt der Leser, die Leserin mit vielen offenen Fragen zurück: Was ist mit Fridas Eltern? Wo ist ihr Vater? Und was genau macht bitte ihre Mutter (in Veganien?)? Was verbindet den Schuldirektor mit Fridas Mutter? Warum wird der Erzählstrang mit Eric nicht aufgelöst? Was wird weiter mit ihm passieren? Was soll die Karte von Afrikanien und Veganien im Buch, auf die nur in einer Anspielung ganz am Ende Bezug genommen wird? Mag sein, dass dies alles in einem zweiten Teil aufgeklärt werden soll – der Untertitel lässt das vermuten, dennoch fehlt hier ganz klar Stringenz. Der Titel selbst passt auch nicht richtig zum Buch, denn die eigentliche Reise soll anscheinend erst im zweiten Teil stattfinden. Es wäre sinnvoller gewesen, statt einer Fortsetzungsgeschichte gleich die zusammenhängende Geschichte in einem Buch zu veröffentlichen. So sitzt man nach der Lektüre eher ratlos da.

Diverse Fehler bzw. Ungenauigkeiten haben sich außerdem eingeschlichen, für mich ein großer Kritikpunkt in Kinderbüchern: 1. Veganismus wird lediglich als Ernährungsweise und nicht als Lebensweise charakterisiert. 2. Es wird behauptet, in Indien seien alle Tiere heilig und würden nicht gegessen, insbesondere natürlich die Kühe. Dass dieser gebetsmühlenartig wiederholte Mythos eben nichts als ein Mythos ist, kann man zum Beispiel bei Colin Goldner nachlesen. 3. Es ist nicht nachvollziehbar, dass eine Drittklässlerin sich nicht bewusst ist, dass sie sich vegan ernähren muss (aufgrund einer nicht näher benannten Allergie, die sie offenbar mit Erbrechen auf jegliche tierlichen Produkte reagieren lässt) und von ihren Großeltern hierüber zuvor nie aufgeklärt worden ist.

Fazit zum Buch: Nett gemeint, aber mäßig umgesetzt. Man muss keine renommierte Kinderbuchautorin sein, um auch über Veganismus und Tierrechte für Kinder schreiben zu können. Aber das geht sehr viel besser, siehe etwa Marco Mehring oder Udo Taubitz.

Was zudem sauer aufstößt, ist die Tatsache, dass Frau Kuhlmann sich von Peta für Bodyshaming und blödsinnige sexistische Werbekampagnen vereinnahmen lässt. Auf Petas Seite zu Frau Kuhlmann kann man allen Ernstes lesen: „Eine pflanzliche Lebensweise macht attraktiv, denn ein gesunder Mensch zieht die Blicke auf sich. Veganer haben zumeist eine schöne Haut und einen straffen Körper. Durch die ausgewogene und tierfreundliche Ernährung kann man leicht an Gewicht verlieren.“ Und Kuhlmann plappert brav Petas diskriminierende Werbebotschaft nach: „Die vegane Ernährung hält mich gesund und sexy.“ Veganismus als Diät – gerade das soll er eben nicht sein!

Geben wir Frau Kuhlmann noch eine zweite Chance – für den zweiten Teil der Reise nach Veganien? Ja, aber bitte mit einem kritischen Blick aufs Manuskript vor der Drucklegung.

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