Kleiner Junge stellt die Bauernhofwelt auf den Kopf

Bild: Echo-Verlag
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Udo Kasper Taubitz: Karl Klops. Der coole Kuhheld. Illustriert von Annette Jacob-Zube (Echo-Verlag, Göttingen 2012, 64 Seiten, € 12,90, ab 6 Jahren)

Karl Klops – was für ein Name! Kein Wunder, dass der achtjährige Junge in der Schule dafür verspottet wird. Weit schlimmer ist allerdings der Spott und das Unverständnis seines eigenen Vaters, als Karl beschließt, kein Fleisch mehr essen zu wollen, weil ihm die Tiere leid tun, die dafür sterben müssen. Die Eltern und der Großvater, selber Arzt, sind sich schließlich einig: Der Junge muss zu Onkel Tom auf den Bauernhof nach Mutjadingen, um ihm diese „vegetarischen Flausen“ auszutreiben.

Gesagt, getan. Die Sommerferien beginnen und Karl, das Stadtkind, wird aufs Land verfrachtet. Tom und seine Freundin Anna begrüßen den Jungen herzlich und verwöhnen ihn mit frischer Milch von den eigenen Kühen. Am nächsten Morgen darf Karl auch beim Melken zugucken. So etwas wie den Melkroboter hat er zwar noch nie gesehen, aber den Vorgang an sich findet er schnell langweilig. Es passiert ja nicht viel dabei. Also stromert er stattdessen durch die Gegend und lernt die seltsame Nachbarin, die sich selbst schalkhaft als „Kräuterhexe“ vorstellt, kennen.

Und dann passiert etwas Wundersames: Karl kann – für einen Tag – die Sprache der Tiere verstehen und erkennt, dass es den Hühnern und Kühen auf dem Hof von Onkel Karl gar nicht so gut geht, dass sie keine Eier für die Menschen legen und nicht gemolken werden wollen. Es folgen heiße Tränen und Beratungen, wie es denn weitergehen könne, wenn Tom und Anna nicht mehr von ihren Tieren leben sollen. Köpfe werden zusammengesteckt und Pläne geschmiedet, bis alle vor Müdigkeit einschlafen. Bei Karls nächstem Besuch auf Onkel Toms Bauernhof muss kein Tier mehr arbeiten, der Onkel und seine Freundin haben inzwischen aus ihrem Bauernhof Mut einen Lebenshof für Tiere gemacht. Und Karls Opa, der tierische Proteine so tierisch wichtig für die Entwicklung und Gesundheit fand, lebt jetzt auch vegan!

So ähnlich wie auf Mutjadingen an der Ostseeküste ging es auch einmal auf Butjadingen an der Nordseeküste zu. Dass aus einem Milchviehbetrieb ein Kuhaltersheim werden kann, ist keine Fiktion, sondern Wirklichkeit. Karl Klops ist ein Buch, das aufklärt, aber nicht erschreckt und für Empathie mit den sogenannten Nutztieren wirbt. Die Figuren sind sympathisch und greifbar, nicht zuletzt die positive Entwicklung von Opa Klops zeigt, dass auch Erwachsene eingefahrene Denkweisen und Gewohnheiten aufgeben und Neues entdecken können.

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