Die Geister, die wir erschaffen

Bild: Ghosts Media
Bild: Ghosts Media

The Ghosts in our Machine (Regie: Liz Marshall, mit Jo-Anne McArthur, Ghosts Media 2013, 92 Minuten)

Der bildgewaltige Film über die Arbeit der Fotografin Jo-Anne McArthur beginnt mit einer Reihe Aufnahmen von Tieren, einige in Freiheit, einige in Gefangenschaft, aus dem Off sind u.a. Kommentare des versierten Verhaltensbiologen Jonathan Balcombe und der Autistin Temple Grandin, die sich für „humanes“ Schlachten einsetzt, zu hören.

„Leaving is always the hardest thing“, sagt Jo-Anne über ihre Arbeit. Sicher, wenn wir könnten, würden wir lieber gestern als morgen sämtliche Käfige dieser Welt öffnen und die Gefangenen entlassen. Doch da das kaum realisierbar ist, müssen andere Wege gefunden und begangen werden, um diejenigen aufzurütteln, die die „Geister“ in unseren Tierproduktions- und Ausbeutungsstätten so erfolgreich verdrängen. Denn es sind Lebewesen, keine Maschinen, die wir einfach für unsere Zwecke benutzen können. Tiere sind nicht zu unserer Unterhaltung, zur Befriedigung unserer wissenschaftlichen Neugier, unserer Ernährung oder zum Anziehen da. Kognitiv trennt uns wenig, emotional sind uns einige von ihnen vielleicht sogar überlegen.

Jo-Anne hat die Fotodokumentation gewählt, um ihre Botschaft zu vermitteln. Und sie ist verdammt gut darin! Auf ihrer Seite We Animals finden sich eindrückliche Beispiele ihrer Arbeit. Der Film begleitet sie auf ihren Recherchen: Mit Friedrich Mülln, Gründer des Vereins SOKO Tierschutz, filmt sie in Fuchs- und Nerzfarmen, sie besucht ein Ehepaar, das Beagles aus dem Tierversuch bei sich aufnimmt, macht Aufnahmen in Zoos, Aquarien, Milchviehbetrieben und Schlachthäusern. Was all diesen Betrieben gemeinsam ist: Es herrscht ununterbrochen ein wahnsinniger Lautstärkepegel; die Gerüche, oder besser: den Gestank, muss man sich noch dazu denken. Diese Tiere leben in der Hölle auf Erden. Die Bilder zu verkraften, ist schwer, Jo-Anne erzählt von Alpträumen. Um zur Ruhe zu kommen, besucht sie Susie Costen und ihr Team, die in den USA mehrere Lebenshöfe betreiben und mit denen sie gemeinsam eine Kuh und ein Kälbchen gerettet hat. Die Bilder dieser Geretteten sind Balsam, nicht nur für Jo-Anne, sondern auch für den Zuschauer, die Zuschauerin. Aber sie dienen auch der Aufklärung, denn die Spuren der vorangegangen Ausbeutung dieser Tiere sind deutlich sichtbar.

Der Film hinterlässt, neben all dem gezeigten Leid, den positiven Eindruck, dass man etwas verändern kann, wenn man nur will. Jo-Annes Anspruch, die Welt zu retten, mag illusorisch und utopisch erscheinen, aber er ist doch so einfach wie einleuchtend: Denn was wollen wir erreichen, wenn wir uns lediglich Minimalziele setzen? Wenn wir nicht das große Ganze im Blick haben und alles daransetzen, es mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln zu ändern? Resignation ist nie eine Option, Aufgeben steht nicht zur Debatte.

Noch bis morgen, Freitag, ist der Film weltweit online anzusehen. Alternativ kann er auch auf DVD erworben werden. Die Anschaffung lohnt sich, denn anders als etwa „Earthlings“, der ausschließlich mit Schreckensbildern arbeitet, gelingt „The Ghosts in our Machine“ der schwere Drahtseilakt zwischen Erträglichem, teilweise sogar Hoffnungsvollem und dem unerträglichen Leid, das die Tiere in den Pelzfarmen, den Versuchslaboren, den Milchfabriken usw. ertragen müssen.

Den Trailer zum Film kann man sich hier anschauen:

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