Mauritius – Hamburg – Mauritius

Bild: Hanser
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Peter Schössow: Baby Dronte (Hanser, München 2008, 8. Auflage, 48 Seiten, € 14,90, ab 4 Jahren)

Käpt’n Horatio und seine Crew verdingen sich mit ihrem schon recht abgetakelten Schlepper, der Krautsand, im Hafen von Hamburg. Eines Tages laufen sie während eines Sturms auf Grund – was für ein Mist! Und die Reparatur soll unglaubliche neunundvierzigtausendachthundertsiebenunddreißig Mark und vierundsechzig Pfennige kosten – woher nehmen und nicht stehlen?!

Da findet der Käpt’n ein seltsam gefärbtes Ei, und es stellt sich heraus, dass es sich um ein Dronten-Ei handelt. Schmetterlingsforscher hatten es durch reinen Zufall auf der Insel Mauritius gefunden. Eine Weltsensation, wo die großen Laufvögel doch als ausgestorben gelten! Natürlich wollen die Forscher das Ei wiederhaben, und eine hohe Belohnung, um genau zu sein: 50.000 Mark, wird ausgesetzt. Den zwischenzeitlich geschlüpften Dodo, der Käpt’n Lüttich für seine Mama hält, wird von diesem gegen einen Scheck getauscht. Denn die Krautsand muss ja wieder flottgemacht werden.

Aber tut man denn sowas? Und kann man da noch ruhig schlafen? Tut man nicht, kann man nicht, jedenfalls nicht Käpt’n Lüttich. Baby Dronte ist im Zoo gelandet, nachdem die Forscher zu Ende geforscht haben, und nun hockt der Vogel allein in einem winzigen Käfig, während sich Besuchermassen drumherum drängen, um das Wundertier zu bestaunen. Lüttich und seine Männer fassen einen Plan, einen Flucht- und Rettungsplan, jawohl. Baby Dronte muss befreit und zurück nach Mauritius gebracht werden!

Und so schippern die Jungs mit Baby Dronte den ganzen langen Weg von Hamburg bis zum Indischen Ozean und – tada! – finden nicht nur Babys Mama, sondern noch viele, viele weitere Dronten, die sich dort im Dschungelgrün versteckt halten. Ende gut, alles gut!

Das Buch besticht insbesondere durch die stimmungsvollen Illustrationen, die ein angenehmes Pendant zu den heutzutage häufig vollkommen verkitschten Illustrationen in Kinder- und Jugendbüchern bilden. (Wild-)Tiere gehören nicht eingefangen und in Käfige gesperrt, sondern zu ihrer Familie, wird hier ohne Belehrung vermittelt. Die Geschichte selbst ist stimmig und spannend, für manche Vierjährige vielleicht noch etwas zu lang, aber schön erzählt und mit viel Hamburger Hafen-Flair versehen – Hamburg-Fans werden in den Kulissen viel Bekanntes entdecken. Und wer beim nächsten Elbstrandspaziergang ein merkwürdig geflecktes Ei entdeckt, bucht besser gleich eine Passage gen Süden, statt es windigen Forschern zu überlassen.

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