Miteinander statt gegeneinander

Bild: Katja Kaminski/ Anita Zinauer
Bild: Katja Kaminski/ Anita Zinauer

Katja Kaminski: Die Kunst des Miteinanders (Books on Demand, Norderstedt 2016, 96 Seiten, € 9,90, ab 5 Jahren)

Die Veröffentlichung eigener Gedanken in Buchform über Self-Publishing-Plattformen wird immer beliebter und jede und jeder kann sich so als Autorin bzw. Autor fühlen, ohne mühselig einen Verlag von der Qualität der eigenen Arbeit überzeugen zu müssen. Dass dabei noch mehr Schund produziert wird, als ohnehin schon in Buchhandlungen ausliegt und auf Bestsellerlisten steht, liegt auf der Hand. Ganz so arg verhält es sich mit dem neuesten Buch der Menschen- und Tierrechtsaktivistin Katja Kaminski nicht, aber das Gelbe vom veganen Retortenei ist es auch nicht.

In 13 kurzen (Vorlese-)Geschichten beschäftigt sich die Autorin mit Themen wie Rassismus, Bodyshaming, Heteronormativität, Xenophobie und Speziesismus und versucht diesen positive Verhaltensweisen entgegenzustellen. Einige Ideen sind dabei ganz niedlich, etwa die sprechende Straßenlaterne, aber die Dialoge wirken oft hölzern und es wird zum Teil gar nicht klar, warum sich jemand ablehnend und/oder abwertend gegenüber anderen verhält. Hier wäre etwas mehr Tiefe wünschenswert gewesen. Wer sich nicht an den oft sehr einfachen Lösungen stört, die Kaminski präsentiert, findet hier sicher Anregungen für Diskussionen mit Kindern. Denn ein Anliegen der Autorin ist es zu zeigen, dass es vollkommen in Ordnung ist, nicht wie alle anderen zu sein und dass Mobbing und diskriminierendes Sprechen und Handeln „innen selber hässlich“ machen.

Ich lege bei meinen Bewertungen insbesondere bei Kinderbüchern einen hohen Maßstab an was Formalia wie Orthographie und Grammatik anbelangt. Das Buch von Katja Kaminski fällt hier – trotz angeblichen Lektorats – durch. Das beginnt bereits bei der Paginierung, die nicht mit dem Inhaltsverzeichnis übereinstimmt. Und wenn man schon den Stolper-Gender-Gap benutzen will (sogar in wörtlicher Rede), dann doch bitte konsequent (wenn „sich jede_r seinen eigenen Weg“ sucht, wie findet dann jede den ihren?). Statt dieser Leseerschwernis hätte ich es sehr hübsch gefunden, wenn eine Alternative für das Genus Neutrum von Mädchen gefunden worden wäre. Rechtschreibfehler und inhaltlich nicht relevante, regionale Abweichungen vom Standarddeutsch wie das Hinzufügen von bestimmten Artikeln zu Eigennamen schmälern das Leseerlebnis, und auch inhaltlich muss ich Punktabzug geben. Ein Beispiel: An einer Stelle sagt ein Mädchen namens Samira über sich, sie stamme „aus Afrika“. Schön und gut – aber Afrika ist groß und ein ganzer Kontinent. Eine Migrantin würde doch wahrscheinlich eher erzählen, dass sie aus Ägypten, Ruanda oder vielleicht Burkina Faso kommt. Wir Europäer subsumieren diese Länder häufig unreflektiert einfach unter Afrika. Hier mangelt es der Autorin an begrifflicher Differenzierung.

Knappes Fazit: Die Geschichten enthalten die klare Botschaft für ein buntes Miteinander und es ist wichtig, mit Kindern über die angesprochenen Themen zu sprechen. Nur hapert es in diesem Buch an der Umsetzung. Zumindest ein ordentliches Korrektorat hätte dem Buch sehr gut getan. Ein klassischer Fall von gut gemeint.

Eine recht gute Auswahl an feministischen, empowernden und emanzipatorischen (Kinder-)Büchern bieten Fembooks, die Heinrich-Böll-Stiftung und das erziehungswissenschaftliche Projekt Gender Kinderbuch.

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