Häuserkampf und vegane Liebesmenüs

Bild: Aufbau Verlag
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Ellen Berg: Alles Tofu, oder was? (K)ein Koch-Roman (Aufbau Taschenbuch, Berlin 2015, 334 Seiten, € 9,99)

Ellen Berg ist so etwas wie Nora Roberts in lustig. Nur ist das Problem bei deutschem Humor, dass er in der Regel nicht lustig, sondern öde bis peinlich ist. Die Geschichte ist nach altbewährtem Muster zusammengestrickt und schnell erzählt:
Dana, alleinerziehende Mutter, kommt mehr schlecht als recht mit den Einnahmen aus ihrem kleinen Lokal über die Runden, das ins Visier von Immobilienspekulanten gerät, was zu einigen albernen Kriegstaktiken auf beiden Seiten führt. Danas (Ex-)Freund Paul und ihre Familie halten nichts von den spinnerten veganen Ideen, mit denen sie ihre Umgebung (und die Leser*innen) zur Verzweiflung treibt. Mit Rudolf Steiner hat sie es auch und doziert beim Anwaltstermin ohne Luftholen über die Vorzüge des anthroposophisch verseuchten „biodynamischen“ Anbaus, herzlichen Glückwunsch. Am Ende wird natürlich alles gut: Die Immobilienzicke wird in ihre Schranken gewiesen, das Lokal brummt dank der genialen veganen Liebesmenü-Kreationen von Danas asiatischem Koch und für Dana selbst gibt es nach der obligatorischen Anhäufung von Missverständnissen auch noch ein Liebes-Happy-End.

Die Story ist wie alle diese Geschichten (von Dora Heldt, Lilli Beck, Hera Lind und wie sie alle heißen) extrem konstruiert, stets bemüht komisch und daher nicht besonders amüsant. Die beeindruckenden Verkaufszahlen solcher Bücher zeigen, dass es eine Menge gelangweilter Hausfrauen geben muss.

Wenn es einen Preis für die unsympathischste klischeebeladene vegane Figur in der Literatur gäbe, Frau Berg müsste ihn für ihre Darstellung hier erhalten. Sie meint es wahrscheinlich noch nicht einmal böse, denn sie scheint durchaus etwas fürs Vegansein übrig zu haben, aber die Melange aus Zickenwahnsinn und völlig überzogener Weltrettungsgesundheitspredigerbesserwisserei ist enorm nervtötend und bestätigt nur das Klischee vom spaßbefreiten und ständig nörgelnden Müslifresser, das die Mehrzahl der Bevölkerung von „dem Veganer“ hat. Nicht hilfreich und auch nicht lustig.

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Ein Gedanke zu “Häuserkampf und vegane Liebesmenüs

  1. sie ist schizophren, die beziehung der menschen zu den tieren. zu bestimmten tieren, vor allem katzen, hunde und pferde, entwickeln wir ein sehr inniges verhältnis. sie werden gehegt und gepflegt und sind die besten freunde. die so genannten “nutztiere” dagegen werden gequält und ausgebeutet. wir verdrängen erfolgreich die tatsache, dass fleisch, milch, daunen oder pelz von einem tier mit charakter und eigenen bedürfnissen stammen. die politisch verantwortlichen billigen das sinnlose leid der tiere für wirtschaftlichen profit. https://campogeno.wordpress.com/2015/10/20/film-im-namen-der-tiere/

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