Die Nacht im Hotel

Bild: Hoffmann und Campe
Bild: Hoffmann und Campe

Siegfried Lenz: Die Nacht im Hotel. Illustriert von Joëlle Tourlonias (Hoffman und Campe, Hamburg 2013, 32 Seiten, € 16,99; Erstveröffentlichung des Textes 1951 in DIE ZEIT)

Ein Glücks- und Zufallsfund in der Lüneburger Jugendbücherei hat mir eines der großartigsten Leseerlebnisse des Jahres beschert (ja, das kann ich jetzt bereits sagen!). Von Siegfried Lenz hatte ich bis dato noch nichts gelesen, großer Fehler! Der Hamburger Verlag Hoffman und Campe hat bereits mehrere Lenz-Erzählungen bzw. Auszüge aus seinen Romanen großformatig und illustriert veröffentlicht, die jetzt auf meiner Leseliste ganz oben stehen.

Die Geschichte

Selten verbinden sich Illustration und Text so stimmig wie in der 2013 bei Hoffmann und Campe erschienenen Ausgabe von Siegfried Lenz‘ Erzählung Die Nacht im Hotel.

Zwei Männer teilen sich nachts ein Hotelzimmer. Sie kennen sich nicht, der Zufall und die Notwendigkeit haben sie zusammengeführt; der eine ein junger Vater, der andre ein älterer Herr, der zunächst schwer einzuschätzen ist. Nachts in ihrem Hotelzimmer unterhalten sie sich darüber, warum Schwamm, der Vater, denn gerade diese Nacht in diesem Hotel verbringen müsse.

Lenz hat eine ganz eigene Sprache gefunden und in sie einzutauchen ist ein einziger Genuss. Es stellt sich heraus, dass Schwamm wegen seines Jungen im Hotel ist. Dieser sei nach Schwamms Aussage „äußerst sensibel, mimosenhaft“ und reagiere „bereits, wenn ein Schatten auf ihn fällt“, ein Kind mit einer „Glasseele“. Nichts wünsche er sich sehnlicher als dass ihm einmal jemand am Bahnübergang winken möge, an dem er jeden Morgen auf dem Weg zur Schule warten muss. Auch wenn die Geschichte eine etwas vorhersehbare Wendung nimmt, mindert das doch nicht die Einfühlsamkeit, mit der sie erzählt ist. Lenz schenkt uns mit Die Nacht im Hotel eine Geschichte, die uns dafür sensibilisieren kann, was in einer Kinderseele vor sich geht und was Erwachsene vielleicht nicht immer nachvollziehen können. Kinder erschaffen sich ihre eigenen Welten und müssen ihren Platz in der realen Welt erst finden. Es ist an uns, ihnen dabei zu helfen, auch wenn wir dabei manchmal zu ungewöhnlichen Maßnahmen greifen müssen.

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