Bücherputz I – Bücher spenden

Vor einiger Zeit habe ich hier erklärt, wie man mit Hilfe der Metasuchmaschine Eurobuch am effektivsten online nach seltenen und gebrauchten Büchern suchen kann. Jetzt geht es darum, was man sinnvollerweise mit den eigenen, nicht mehr benötigten Büchern tun kann. Verschiedene Möglichkeiten stelle ich nun in einer Serie vor und beginne mit dem Spenden von Büchern.

Bild: Martin Schmidt/Buchspende.org
Bild: Martin Schmidt/Buchspende.org

Buchspende.org

Ein Freund hatte mich auf das Projekt Buchspende aufmerksam gemacht. Hierhin kann man, wie der Name schon sagt, Bücher spenden. Der Clou: Man erhält eine Spendenbescheinigung über den geschätzten Wert der Bücher und kann diese bei der nächsten Steuererklärung einreichen.

Und so funktioniert’s: Wer in Berlin wohnt, kann die Bücher einfach vorbeibringen oder, ab 35 Stück, sogar bei sich zuhause abholen lassen. Per Post können die Bücher an die Zentrale in der Liegnitzer Straße geschickt werden. Wer eine Zuwendungsbestätigung (so heißt die Spendenbescheinigung auf Amtsdeutsch) zur Vorlage beim Finanzamt haben möchte, muss in jedem Fall das Formular zur Ermittlung des Spendenwertes ausfüllen. Das Formular ist einfach auszufüllen: Man gibt die ISBN (ob ISBN-10 oder ISBN-13 spielt keine Rolle) in die Eingabemaske ein und bestätigt mit Klick auf den Button. Achtung: nicht-deutschsprachige Bücher sowie Hörbücher werden nicht angenommen. Den Vorgang wiederholt man für alle Bücher, die man spenden möchte. Kann einmal kein Preis ermittelt werden, weil die ISBN unbekannt ist, wird ein Fragezeichen angezeigt. Dann kann man sich überlegen, ob man das Buch „einfach so“ spenden möchte, oder man löscht die Eingabe wieder. Dies ist natürlich auch möglich, wenn der angezeigte Gegenwert einem zu niedrig erscheint. Man sollte sich dennoch bewusst sein, dass es (zumindest meiner Meinung) in erster Linie darum geht, sich zugunsten anderer von etwas zu trennen, was man ohnehin nicht mehr braucht. Und die Bücher, für die ein kleiner Gegenwert angezeigt wird, wird man wahrscheinlich auch nicht beim Handelsriesen Amazon oder bei einem seiner Konkurrenten sonderlich gewinnbringend los (so man sie denn überhaupt loswird). Eine Alternative kann ein Antiquariat vor Ort sein, wo man Buch gegen Buch(gutschein) tauschen kann (dazu in einem späteren Teil der Bücherputz-Serie mehr).

Hat man alle Bücher eingegeben, die man spenden möchte, klickt man zum Abschluss auf den Button „Drucken“ und wird zu einer Seite geleitet, auf der man noch seine Adressdaten eingeben muss, damit die Spendenquittung zugestellt werden kann. Die ausgedruckte Liste legt man dem Buchpaket bei und dann muss es nur noch zur Post. Meiner Erfahrung nach werden die Bescheinigungen etwa drei Monate nach Versand der Bücher verschickt.

Ermöglicht wird das Projekt Buchspende durch die SinneWerk gGmbH in Berlin, die in der Hauptstadt zwei Antiquariate mit angeschlossenen Cafés betreibt, in denen Menschen mit und ohne Behinderung arbeiten (das „g“ vor der GmbH steht für gemeinnützig). Die Erlöse aus Gastronomie und Buchverkauf sichern die Gehälter der Mitarbeiter/innen. Wir haben also eine Win-Win-Win-Situation: Bei uns zuhause wieder mehr Platz im (Bücher-)Regal und auf dem Nachttisch, sichere Arbeitsplätze für engagierte Menschen und, als Sahnehäubchen: eine Steuererstattung, die zum Beispiel in neue Bücher investiert werden kann, die ausgelesen wiederum gespendet werden können usw. usf.

Bei den Café-Antiquariaten handelt sich zum einen um das Morgenstern, unweit der Freien Universität Berlin, in dem auch kulturelle Veranstaltungen und Lesungen angeboten werden. Zum zweiten findet man das Café Tasso in Berlin-Friedrichshain. Dort werden ausschließlich Speisen aus bio-zertifiziertem Anbau bzw. bio-zertifizierter Herkunft angeboten. Das Angebot ist überwiegend vegetarisch, es finden sich auf der Karte aber auch einige speziell als vegan ausgezeichnete Gerichte. Cappuccino & Co. bekommt man auf Wunsch mit Sojamilch, außerdem steht Getreidekaffee zur Auswahl. Neben dem kulinarischen Angebot gibt es im Café Tasso regelmäßig kulturelle Veranstaltungen: Konzerte, Lesungen, Theater und Ausstellungen.

Bild: Berliner Büchertisch e. V.

Berliner Büchertisch

Ebenfalls in Berlin ist der Büchertisch ansässig, der nach einem ähnlichen Prinzip wie Buchspende funktioniert, allerdings als gemeinnütziger Verein mit genossenschaftlicher Struktur operiert. In drei Buchläden in Kreuzberg und Friedrichshain finden Interessierte insgesamt rund 60.000 Bücher und zusätzlich noch LPs, DVDs, Hörbücher, Brettspiele und Poster. Außerdem gibt es einen Online-Bestand mit weiteren 20.000 Büchern, die durchsucht werden können (man wird hierzu auf die Shop-Seite des Büchertischs bei Buchfreund.de weitergeleitet, wo man zudem jedes lieferbare Buch erstehen kann).

Der Berliner Büchertisch engagiert sich in verschiedenen sozialen Bereichen rund ums Lesen: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sorgen für die Bestückung von insgesamt neun Buch-Verschenkregalen in Berlin. Hier darf sich jeder und jede gratis Bücher aussuchen. Das Angebot wird gut angenommen – der Verein gibt an, dass auf diesem Wege täglich etwa 300 Bücher den Besitzer wechseln. Leseförderung wird hier großgeschrieben – denn Lesen verbindet und erweitert den Horizont, ob Vorlesen, Weiterbildung, Sprachen lernen. Neben der jahrelangen Unterstützung von Schulbibliotheken engagiert sich der Verein insbesondere für sozial Benachteiligte: Kinder aus finanzschwachen Familien und Kinder mit Migrationshintergrund sollen bessere Chancen durch Lese- und Verständniskompetenz erhalten. Aktuell werden auch gezielt Materialien für Flüchtlinge gesucht und weitergegeben.

Bücher an den Büchertisch zu spenden ist ebenso unkompliziert wie beim oben vorgestellten Portal, jedoch werden hier wegen des hohen Aufwands keine Spendenquittungen mehr ausgestellt. Was nicht gewünscht wird, kann man hier nachlesen; es sollte sich aber eigentlich von selbst verstehen, dass Ramschiges, Muffiges, Wasserfleckiges, Veraltetes und Unansehnliches besser im Altpapiercontainer aufgehoben ist, sofern es sich nicht gerade um eine signierte Erstausgabe von Goethes Faust handelt. Entgegen anderslautenden Gerüchten dürfen und sollen Bücher durchaus als Altpapier entsorgt werden. Das Umweltbundesamt definiert dies deutlich (gut zu wissen ist auch, dass beispielsweise die auf Thermopapier gedruckten Kassenbons und Bahnfahrkarten aus dem Automaten nicht dorthinein gehören, sondern in den Restmüll).

Andere Organisationen

Es gibt natürlich noch weitere Organisationen, die sich über Bücherspenden freuen (und viele andere Dinge, die das tägliche Leben bereichern, wie zum Beispiel Spielsachen für Kinder), etwa Oxfam, Arbeiterwohlfahrt (Awo), Amnesty International, Umsonstläden und viele mehr. Nicht alle haben die Möglichkeit, Spendenbescheinigungen auszustellen bzw. für Dinge wie Kleidung kann nur eine Bescheinigung ausgestellt werden, wenn noch ein Kaufbeleg vorhanden ist, der eine Schätzung des aktuellen Wertes zulässt (das wird vom Finanzamt so verlangt), dies sollte aber nachrangig sein. Wenn man schon mal dort ist, kann man auch gleich ein bisschen im Angebot stöbern, wer weiß, welche Schätze es zu entdecken gibt. Aber das kann man nur herausfinden, indem man sich vom PC weg und nach draußen bewegt. Viele dieser Läden bieten ebenfalls die Möglichkeit, auf einen Kaffee zu bleiben und so, wenn man möchte, mit anderen Kunden ins Gespräch zu kommen. Es lohnt auch, sich mit den Menschen hinter den Projekten zu unterhalten. Manche der Organisationen sind zusätzlich auf ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angewiesen. Wer helfen möchte, sollte einfach mal fragen.

Fazit

Ich finde die Möglichkeit, viele Bücher auf einen Schwung loszuwerden, praktikabel und ausgesprochen sinnvoll und so durchforste ich ein- bis zweimal im Jahr meine Schränke und Regale. Im vergangenen Jahr kamen bei mir 159 Bücher und Hörbücher zusammen, für die ein Gesamtwert von 980,- Euro ermittelt wurde und die zusammen knapp 80 Kilo (!) wogen. Man sichert also auch noch ein paar Arbeitsplätze bei DHL und beim Chiropraktiker.

In der nächsten Folge dieser Serie geht es darum, wie und wo man überall Bücher tauschen kann.

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