Hermann L. Gremliza zum 75.

Sprache ist eine Waffe. Haltet sie scharf. Wer schludert, der sei verlacht, für und für. Wer aus Zeitungswörtern und Versammlungssätzen seines dahinlabert, der sei ausgewischt, immerdar.
Kurt Tucholsky

Hermann L. Gremliza lernte ich 2003 in den Redaktionsräumen von konkret, damals noch im schönsten Abwrackgebiet am Arsch von Hamburg, kennen. Im mit schwarzen Jalousien abgedunkelten Kabuffbüro stand ich klein, ehrfürchterlich und schüchternst vor dem Mann der messerscharfen Worte und Analysen. Die Rubrik „Herrschaftszeiten“ sei vorzubereiten, so sein Auftrag an mich. (Damals noch händisch ausgeführt auf Grundlage eines riesigen Stoßes von Zeitungsausrissen, ohne Copy & Paste-Funktion.) Als ich eine halbe Stunde später wieder vor ihn hin trat mit der Mitteilung, alles sei erledigt, sah er mich leicht verdutzt an und fragte, wie ich das denn angestellt hätte. „Zehnfingersystem“, lautete meine Antwort, woraufhin er lächelte und meinte, „Ja, da ist mir meine Frau auch weit überlegen; meins ist seit je das Zweifingersuchsystem – und das dauert.“

Ob zwei oder zehn, egal. Solange man sich nur gegenwärtig ist, mit welcher Waffe – auf beiden Seiten, der der Produzenten und der Rezipienten – man es da zu tun hat.

 
Danke, lieber Hermann, fürs Unbequemsein, danke fürs Nicht-immer-beim-ersten-Lesen-zu-verstehen-Sein, danke fürs Eigene-Fehlschlüsse-eingestehen-Können. Danke fürs Da-Sein. Danke für viele gute Jahre mit und bei konkret.

PS: Du weißt nicht zufällig, was denn nun die Birkenblätter tun?

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