Vegan werden mit Familie

Bild: Kamphausen
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Jumana Mattukat: Mami, ist das vegan? Ein Erfahrungsbericht (Kamphausen, Bielefeld 2013, 160 Seiten, € 16,95)

Die Journalistin Jumana Mattukat beschließt, vegan zu werden. Allerdings sind da noch ihr Ehemann Stephan und die beiden Kinder Richard und Emilia – und die sind anfangs gar nicht begeistert von dieser Idee. Was Mattukat in den ersten Monaten während des Veganwerdens mit der Familie erlebt, welche Rückschläge es gab, aber auch welche Erfolge sie verbuchen konnte, hat sie in einem Erfahrungsbericht notiert. Es ist denn auch keine Anleitung, wie man seine Familie vom Veganismus überzeugt, sondern eine persönliche Geschichte darüber, was passiert, wenn in einer Familie ein Mitglied (das auch noch hauptverantwortlich für die Essenszubereitung ist) keine Tierprodukte mehr auf dem Teller haben will. Das artet dann teils so weit aus, dass Mattukat drei verschiedene Gerichte gleichzeitig kocht, weil die Kinder auch noch diverse Gemüse nicht essen wollen und der Ehemann auf seinem Schnitzel besteht. Inzwischen essen aber Mann und Kinder vegetarisch, was das Kochen und Familienleben für Mutter Mattukat sehr viel stressfreier gestaltet.

Der Autorin geht es aber um mehr als nur das Essen: Sie lehnt den Besuch von Zoo und Zirkus ab und kauft sich ihr erstes Paar vegane Schuhe. Dennoch dauert es, bis sie ihre eigene Unsicherheit überwinden und sich vor ihren Freunden und dem Rest der Familie als vegan outen kann. Letztlich merkt sie aber, dass es gar nicht so kompliziert ist und sie weder als Aussätzige noch Verrückte betrachtet wird und sie gar nicht auf die gemeinsamen Dinnerpartys, die sie und ihr Mann mit befreundeten Paaren veranstalten, verzichten muss.

Sehr sympathisch ist, dass die Autorin großen Wert auf Bioqualität beim Essen legt und empfiehlt, das Essen möglichst selbst zuzubereiten statt Fertigprodukte zu verwenden. Am Ende des Buches finden sich außerdem 33 Lieblingsrezepte, die vegan, einfach und lecker sind und den meisten Kindern schmecken sollten. Da, wie Mattukat ja selbst erlebt hat, Kochen für Kinder sich mitunter schwierig gestalten kann, ist diese Rezeptesammlung für angehende vegane Mütter und Väter eine praktische Hilfestellung. Auch das Vitamin-Spiel, das sie anspricht, könnte bei „schwierigen“ Essern sicher helfen.

Mattukat hat viel recherchiert und nachgeforscht: Sie weiß Bescheid über die betäubungslose Enthornung von Kälbern und das Amputieren der Schnabelspitzen von Hühnern. Zwischendurch streut sie wichtige und richtige Informationen über Mineralstoffe und Vitamine ein. Ein erhellendes Interview mit der Pressesprecherin von Demeter verdeutlicht, dass auch Bio-Tiere nicht totgestreichelt werden und auch Demeter-Kühen ein paar Tage nach der Geburt ihre Kälber weggenommen werden.

Mattukat zeigt, dass Vegansein mit Familie möglich ist und zieht als persönliches Fazit, dass ihre vegane Reise (die noch nicht beendet sei), sie sogar enger zusammengebracht habe. Sie betont, dass es am besten funktioniert, wenn man selbst ausgeglichen und überzeugt mit seiner neuen Lebensweise umgeht – dann gehen auch andere entspannt damit um. Etwas mehr Recherchezeit hätte dem Buch dennoch gut getan, da an einigen Stellen gefährliches Halbwissen kursiert und einige der verwendeten Quellen eine genauere Überprüfung hätten vertragen können; vor allem auf das Vorwort des Esoterik-Gurus Rüdiger Dahlke hätte gut verzichtet werden sollen.

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