„Warum hast du ein Pferd? Wofür?“

Bild: Cadmos
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Maksida Vogt: Befreie dein Pferd. Befreie dich selbst (Cadmos, Schwarzenbek 2013, 224 Seiten, € 19,95)

„Warum hast du ein Pferd? Wofür?“ Diese Frage bildet den Rahmen des reich bebilderten und fachlich fundierten Buchs Befreie dein Pferd. Die Autorin war selbst mehrere Jahre aktive Reiterin, hinterfragte aber schon früh die Traditionen und Lehren, die Reitlehrerinnen und -lehrer ihr vermittelten. Worauf sie daher immer wieder hinweist, ist, dass Traditionen einen Status quo darstellen und keinen Raum für Veränderung und Weiterentwicklung lassen, denn: „Das Wissen, welches die Reitlehrer dich lehren, ist ein Wissen aus der Zeit, als die Menschen noch glaubten, die Erde wäre eine Scheibe.“ Also fing sie an, das Althergebrachte hinter sich zu lassen und begann, neue Wege zu gehen, das eigene Verhalten dabei selbst kritisch betrachtend. Nach und nach kristallisierte sich als eine der Hauptthesen, der sie anhand vieler Beispiele Raum in ihrem Buch gibt, dass der Wunsch, sich auf (s)ein Pferd zu setzen, von einem unbewussten inneren Schmerz herrührt. Reiten ist nach dieser Definition als eine Art von Sucht zu betrachten, da der Reiter/die Reiterin nur auf dem Rücken des Pferdes zur Ruhe kommen und entspannen kann. Das Gefühl des Getragendwerdens wird überlebenswichtig. Durch das Reiten bürdet man aber den eigenen Schmerz, die eigenen Probleme jemand anderem auf, und das kann niemals zu Heilung führen.

Vogt appelliert an das Herz und an das Gefühl ihrer Leserinnen und Leser, tritt hierzu auch durch Fragen, die zur Selbstreflexion anregen, in einen Dialog mit ihnen ein. Man fühlt sich informiert und einbezogen, aber nicht belehrt. Sie macht nie Vorwürfe, sondern versucht, die Leserinnen und Leser auf der emotionalen Ebene anzusprechen: „Wie würde sich das anfühlen, mit dem Pferd plötzlich gar nichts mehr tun zu müssen? Möchtest du es dir erlauben?“ – Es sich erlauben, nichts mit dem Pferd zu tun: ein für viele Reiter*innen zunächst vermutlich abwegiger Gedanke. In dem selbstauferlegten Reiten-Müssen steckt so viel Zwang, so viel Unruhe. Sicher, Pferde brauchen Bewegung, Abwechslung und genügend Platz, um sie selbst sein zu können. Diese Rahmenbedingungen, zu denen u.a. auch das Wissen über richtige Ernährung sowie über die Pferdeanatomie gehört, sind die Grundvoraussetzung für eine freundschaftliche Beziehung zwischen Mensch und Pferd. Sind sie gegeben, wird das Pferd positiv auf Angebote zum Spiel oder Spazierengehen reagieren. Das Wichtigste dabei ist die Freiwilligkeit. Anhand der im Buch beschriebenen Übungen kann man einen anderen, gleichberechtigten Umgang mit den Pferden lernen und sie und sich selbst besser kennenlernen. Die von Vogt ins Leben gerufene Academia Liberti (AL) bietet hierzu Workshops an, und auch im Forum der AL-Website werden Fragen gern beantwortet.

Ihre Liebe zu den Pferden spiegelt sich auch darin, dass Vogt vegan lebt, denn sie hat erkannt, dass die Einteilung von Tieren in essbar und nicht essbar reiner Willkür entspringt. Für Vogt gibt es keinen qualitativen Unterschied zwischen den Pferden, Hunden und Katzen, mit denen sie ihr Leben teilt, und einem Schwein oder einer Kuh.

Am Ende des Buchs findet sich eine Reihe sehr schöner Bilder von Pferden und ihren Menschen, die jeweils ein kurzes Statement abgeben, warum sie nicht (mehr) reiten. Dominique bringt es auf den Punkt: „Ich reite nicht, denn warum sollte ich?!“

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