Tierliche Inhaltsstoffe erkennen und vermeiden

Bild: Sicht-Verlag
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Reuben Proctor, Lars Thomsen: Veganissimo 1. Tierliche Inhaltsstoffe & ihre Alternativen (Sicht-Verlag, Kiel 2012, 345 Seiten, 3. Auflage, € 14,90)

Alles, was Sie schon immer über tierliche Inhaltsstoffe wissen wollten (oder vielleicht doch lieber nicht…): Das handliche Kompendium wartet mit einer Fülle an Informationen zu etlichen Inhaltsstoffen in verarbeiteten Nahrungsmitteln, Kosmetika, Medikamenten und mehr auf. Ob Produktionshilfsstoff oder Hauptbestandteil, hier findet man genaue Angaben über Herkunft und Verwendung teils kryptischer Bezeichnungen wie Tallowamidopropyl Hydroxysultaine (chemisch veränderter Talg). Sehr sinnvoll sind die kleinen Symbole neben jedem Eintrag, die auf den ersten Blick deutlich machen, ob ein Stoff tierlichen, pflanzlichen, mineralischen, synthetischen oder mikrobiologischen Ursprungs ist bzw. mehreres davon sein kann.

Kaum jemand wird das Buch von vorne bis hinten durchlesen, da es ja als Nachschlagewerk konzipiert ist. Gibt man sich dennoch einmal diesem „Vergnügen“ hin, wird man sich beim nächsten Besuch in der Kosmetikabteilung wohl kaum noch von den adretten Verpackungen und Versprechungen blenden lassen. Was da alles als Feuchthaltemittel, Haut- und Haarpflegesubstanz verwendet wird, klingt eher nach Dr. Frankenstein, entspringt aber dem wirtschaftlichen Zwang, auch wirklich alles vom Tier noch irgendeinem Nutzen zuzuführen.

Auch über Produktionsprozesse erfährt man etwas – wusstest du zum Beispiel, dass Cholesterin, u.a. aus tierlichem Rückenmark gewonnen, als Grundlage für die Herstellung von Flüssigkristallen dient, die in Bildschirmen und Anzeigetafeln (LCD) Verwendung finden?

Eine vollständige Liste der in der EU zugelassenen Lebensmittelzusatzstoffe mit E-Nummern, eine Liste der Bio- und Vegan-Siegel sowie ein umfangreicher Anhang mit Glossar, weiterführender Literatur und den verwendeten Quellen runden das Buch ab.

Wer sich nun fragt, ob man dann überhaupt vegan leben kann, wenn doch unsere gesamte Umwelt voll von tierlichen Inhalts- und Produktionshilfsstoffen ist: Ja, man kann! Denn es gilt in erster Linie, das Vermeidbare zu vermeiden. Hierbei ist das Veganissimo 1 ein hervorragender Helfer und Aufklärer. Dennoch „darf“ auch ein Veganer sich ein Fahrrad zulegen oder ein Handy benutzen, selbst wenn darin verwendete Kupfer- oder andere Metallteile vielleicht mit Gelatine als Hilfsstoff verarbeitet wurden. Für viele andere Produkte des täglichen oder regelmäßigen Gebrauchs listet das Buch gute Alternativen auf, macht aber auch aufmerksam, wo noch Nachholbedarf besteht und es keine oder unzulänglich erscheinende Alternativen gibt (etwa bei Fotopapier und den Fotonegativen). Zudem plädieren die Autoren für einen bewussten Konsum und schreiben ganz richtig, dass ein Gerät, das nicht kaputt ist, auch nicht zwingend ersetzt werden muss, nur weil es inzwischen ein neues Modell gibt.

Ein rundum gelungenes, praktisches, vor allem aber hochinformatives Buch. Gedruckt wurde es übrigens komplett vegan (Papiere, Klebstoffe, Farben, Hilfsstoffe).

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